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Muss ich dir alles, was du mir sagst, glauben und liegt darin etwa mein Vertrauen?
Sollte ich denn nicht alles, was du mir sagst, hinterfragen, um dich zu verstehen?

Sollte ich denn nicht alles, was du mir sagst, hinterfragen, um dich zu verstehen?

mauhtzie - 8. Jul, 14:18
oder so ;)
Jemanden zu verstehen heißt doch nicht nur, anhand des Verstandes den Anderen einschätzen oder gar nur zuordnen zu können, oder nicht? Jemanden zu verstehen beinhaltet doch auch, den Anderen unmittelbar nachvollziehen zu können, was wiederum ähnliche Erfahrungen oder "Funktionsweisen" voraussetzt. Insgesamt bedeutet das Verständnis des Anderen also gleichsam ein intuitives Verständnis. Ergo: verstehe ich mein Gegenüber nicht, so ist es völlig sinnlos, mich mit ihm abzugeben - oder nicht?
Nicht glauben, sondern vertrauen finde ich ja eigentlich sehr schön, doch muss man sich dann nicht darüber im Klaren sein, dass man dann in dem Moment des Vertrauens auch zu einem gewissen Maß der eigenen Konstruktion vertraut? Und ist es im Grunde nicht viel sinnvoller - gerade für mein Gegenüber - wenn ich es verstehe??
Ich denke, dass Vertrauen eine sehr wertvolle und unglaublich wichtige Sache ist, doch rückt die Bedeutung des Vertrauens in den Hintergrund, wenn ich den Anderen nicht verstanden habe...
...sollte ich beispielsweise einmal feststellen, dass trotz meines unendlichen Vertrauens laufend Widersprüche auftreten, muss ich anfangen zu hinterfragen, denn ich habe dann wohl offensichtlich eine wichtige Sache nicht gesehen - oder zu früh zu sehr vertraut...
wollte schon den ganzen tag antworten und jetzt komme ich endlich dazu!
Ich denke beides kann passen und beides ist wichtig!
ich verstehe dich: heißt das nicht vielleicht auch, ich sehe dich durch deine masken hindurch? ich darf dich so nehmen wie du bist. durch all deine widersprüche, deine lügen hindurch ekenne ich das gleiche menschsein, das auch in mir ist. trotz aller gegensätzlichkeit, erkenne ich mich in meinem nächsten, in jedem nächsten.
ich vertraue dir: heißt das nicht vielleicht auch, ich glaube an dich? auch wenn du eine maske trägst, die ich nicht zu durchschauen vermag, darf ich doch hoffen, dass sich dahinter etwas verbirgt das mir ähnelt.
Es ist also kein blindes vertrauen, das sich an etwas sichtbares wie ein gegebenes wort oder ein flüchtiges lächeln bindet. ich spreche von einem vertrauen, das mein gegenüber in all seiner schwäche annimmt in dem bewusstsein das auch ich schwach bin und selber auf dieses vertrauen angewiesen bin.
Nachtrag
Max Frisch: Du sollst dir kein Bild vom anderen machen
"Du sollst dir kein Bildnis machen. - Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lang Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig werden: weil wir sie lieben; solange wir sie lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt - nur die Liebe erträgt ihn so."